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Lernen von der alten Dame

Es ist wieder soweit, die Apfelernte steht an. Und es ist genau 2 Jahre her, dass unser liebster Apfelbaum, die alte Dame umgefallen ist. Sie stand schon etwas schief und hat sich auf ihre alten Tage wohl selbst etwas übernommen mit der reichlichen Apfelernte, die sie uns bescheren wollte. Ein stürmisches Unwetter hat ihr den Rest gegeben und so ist sie mit all ihren Äpfeln umgefallen. Wenn uns dieser Umstand auch das Pflücken der Äpfel erleichtert hat, so waren wir auch betrübt darüber und etwas ratlos. Es war ein toller Baum und zudem versperrte er uns nun den Weg.

Wir haben einige Zeit mit Überlegungen zur weiteren Vorgehensweise verbracht. Unsere alte Dame lag einige Monate so da. In dieser Zeit haben wir recherchiert, mit Baumschulen telefoniert, mit Nachbarn gesprochen und eigene kreative Überlegungen angestellt. Alle waren sich weitgehend einig darüber, dass der Baum wohl nicht weiterleben wird und wir ihn einfach wegschneiden sollen.

Wir wollten das so nicht akzeptieren und haben zwei unserer Nachbarn um Hilfe gebeten. Nach 2 kaputten Seilen, haben letztendlich die Stahlseile einer Seilwinde die alte Dame wieder aufgestellt. Sie bekam von uns Stützen und Seile. Nun mussten wir warten. Bäume sterben langsam, es war noch nicht klar ob die Sache gut ausgeht. Aber würde ich so eine Geschichte erzählen, wenn sie schlecht ausgegangen wäre? Natürlich nicht. Unser wunderbares Apfelbäumchen trägt nun das zweite Jahr in Folge viele Äpfel. Ein Verjüngungsschnitt erleichtert sie etwas und die Stützen machen den Rest.

Und was haben wir nun davon gelernt? Zum einen, dass nichts über die eigenen Erfahrungen geht. Wenn alle Gelehrten, Bücher und Internetforen sich einig sind, heißt es noch lange nicht, dass es im eigenen Fall zutreffen muss. Die Natur ist vielseitig, das bemerken wir jeden Tag wieder bei unserem Gemüse. Was bei den einen funktioniert, geht bei anderen nicht. Zu viele Faktoren spielen mit, wir können sie nicht alle überblicken und verstehen. Alles in der Natur ist ein komplexes Zusammenspiel. Wir lesen natürlich Bücher, probieren einiges aus und machen es dann am Ende oft ganz anders. Jeden Tag lernen wir ein Gespür für unser Gemüse zu entwickeln und für das was es braucht. Wir wissen dass wir manches nie ganz verstehen werden, deshalb probieren wir und entwickeln ein Gefühl dafür.

Was wir natürlich noch von unserer alten Dame lernen können: Wenns uns in stürmischen Zeiten mal umhaut, können wir mit etwas Hilfe wieder aufstehen und weiterblühen.



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